Die Brauereien in Bischberg

 

 

Die ehemals selbstständige Gemeinde Tütscheng(e)reuth wurde im Jahr 1975 zu Trosdorf eingemeindet. Im Zuge der Gebietsreform 1978 wurde die Gemeinde Bischberg, bestehend aus Bischberg, Trosdorf, Tütschengereuth, Weipelsdorf und Rothof gegründet.

Im Hauptort Bischberg existierten 5 Brauereien, 3 davon waren sogenannte bürgerliche Gast (Brau-)häuser, das obere und untere Schloß waren ritterschaftliche Schenken. Die Versuche anderer Bürger, das Schenk- und Braurecht zu erhalten, wurden mit der Begründung abgelehnt: ".....damit der Untertan auf die Bierbänken nicht mehreres als auf die Arbeit sich zu legen gewöhnet!" 

Übriggeblieben von den 5 Brauereien ist nur noch die Brauerei zur Sonne. Sie hat als kleine Hausbrauerei einen festen Kundenstamm für ihr Bier.

 

 

 

1. Brauerei zur Sonne

Die im Jahr 1587 gegründete Brauerei ist seit fast 150 Jahren im Besitz der Familie Schuhmann. Dieter Schuhmann leitet zusammen mit seinem Sohn in 4. Generation den Betrieb und hat die Brauerei den heutigen Erfordernissen angepaßt. Gebraut wird ein Helles und ein Dunkles, sowie ein Unfiltriertes, das es auch in der nostalgischen Bügelverschlußflasche gibt.  Am besten trinkt man das Bier im Sommer auf dem verpachteten "Schuhmanns-Keller" am Rothofweg, der mit altem Baumbestand zum gemütlichen Verweilen im Freien einlädt. 

     

Es gab und gibt von der Brauerei zur Sonne Krüge, Gläser, Bierdeckel (abgebildet der älteste und neuste - mit falscher Namensschreibweise), Etiketten und zahlreiche Postkarten.

 

 

 

2. Obere Schloßbrauerei

Die gutbesuchte Brauereigaststätte mit herrlichem Biergarten war beliebter Treffpunkt der Bischberger. Gegründet wurde die Brauerei nachweislich schon vor 1664. Seit 1807 war das obere Schloß im Besitz der Familie Frank. Der heute unweit der Brauerei lebende Georg Frank übergab die Brauerei Ende der 1970er Jahre seinem Sohn Friedrich, welcher 1981 den Braubetrieb schließlich einstellte. Friedrich Frank verkaufte das ganze Anwesen an die Familie Schuhmann (Brauerei zur Sonne) kurz bevor er bei einem Autounfall tödlich verunglückte. Seitdem steht die ehemals stolze Brauerei und Gaststätte leer und wurde lediglich einmal kurzzeitig als Ausweichquartier für die Kreissparkasse genutzt.

 

   

Die Brauerei hatte vielfältiges Werbematerial, darunter sehr schöne Gläser und Krüge.

 

 

 

3. Brauerei zum unteren Schloß

Die Brauerei zum unteren Schloß wurde etwa 1745 von Carl Maximilian Zollner eingerichtet. Das Wappen der Zollner vom Brand wurde auch zum Wahrzeichen der Brauerei und wurde auf Gläsern, Krügen und Bierdeckeln geführt. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts war die Familie Pessler im Besitz des großen Anwesens. Franz Pessler braute bis ins Jahr 1958 und übergab dann seinem Sohn Baptist, der im Jahr 1974 den Braubetrieb und auch den Gaststättenbetrieb einstellte. Das untere Schloß wurde noch ein paar Jahre als Discothek "mißbraucht" , 1986 von der Gemeinde gekauft und aufwendig restauriert. Neben gemeindeeigenen Räumen wie z.B. Standesamt wird ein Teil des stattlichen Gebäudes auch als Gaststätte genutzt. Die Sudpfanne der ehemaligen Brauerei wurde in den Gastraum integriert und kann heute bei einem griechischen Essen bewundert werden.

   

 

Die Brauerei führte Krüge und Gläser, Prägeflaschen mit bedruckten Porzellanköpfchen, Bierdeckel (abgebildet der älteste und der jüngste), Flaschenhalsetiketten, Biermarken und diverse Postkarten. Auf dem SW-Foto ist Franz Peßler zu sehen, eine zeitgenössisches Politikerbild wurde wegretuschiert (im Hintergrund rechts).

 

 

 

4. Brauerei Dorsch

Die Brauerei wurde 1868 an der Hauptstraße auf einem Grundstück, das dem Wasserwirtshaus gehörte, durch Johann Bundle errichtet. Johann Baptist Dorsch aus Tütschengereuth heiratete 1902 in den Betrieb ein und gab der Brauerei seinen Namen. Er führte den Betrieb bis kurz nach dem II. Weltkrieg und übergab dann seinem Sohn aus zweiter Ehe, Wilhelm. Der als "Helmer" bekannte und beliebte Gastwirt blieb alleinstehend und mußte 1969 den Braubetrieb einstellen. Drei Jahre später, 1972, verstarb Wilhelm Dorsch. Seine uneheliche Tochter (heiratete in die Brauerei Engel/Roßstadt ein) verkaufte das Anwesen und der gesamte Gebäudekomplex wurde abgerissen. An seiner Stelle steht heute eine Reihenhaussiedlung und nur ein Kellerhäuschen auf der gegenüberliegenden Straßenseite erinnert noch an die alte Brauerei. 

 

Von der Brauerei sind Krüge (zu bewundern z.B. in Waizendorf bei der Verwandschaft - ehemalige Brauerei Dorsch, jetzt Gaststätte Giehl) und der abgebildete Bierdeckel bekannt.

 

 

 

5. Leicht´sche Brauerei

Im Jahre 1859 übernahm Johann Leicht die zuvor von Georg Knoblach geführte Brauerei und Gaststätte "zur weißen Rose". 1924 heiratete Franz Hümmer in die bereits marode "Leicht´sche Brauerei" ein und stellte spätestens 1928 den Braubetrieb endgültig ein. In diesem Jahr wurde das Brauhaus nachweislich zu Wohngebäuden umgebaut. In der Leicht´schen Brauerei (Inhaber Franz Hümmer) wurde 1926 der FC Bischberg gegründet. Lange Zeit gab es beim "Hümmer" Bier der Bamberger Hofbräu, nach deren Verkauf zwangsläufig einige Jahre Patrizier-Bier aus Nürnberg. Heute kann man in der Gaststätte Hümmer gut bürgerlich speisen und Bamberger Mahrs-Bräu-Biere trinken.

 

Oben ein Bild aus dem Jahr 1924-28, nebenan die herausvergrößerte Haus-Inschrift.

 

 

Wer hat noch alte Fotos oder sonstige Belege der Brauereien in Bischberg und würde sie mir zum Einscannen oder Abfotografieren zur Verfügung stellen?

(Quellen: Historisches Brauereiverzeichnis Deutschland M. Friedrich, Ortschroniken Bischberg/Trosdorf, Festschriften, Gemeindearchiv - Dank an Herrn Ph. Hümmer)

 

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